Seit dem 1. Dezember 2011 soll der Autokauf für Verbraucher einfacher sein. Schließlich wird ab diesem Zeitpunkt jeder Neuwagen mit einem Öko-Label versehen, das über die Umweltfreundlichkeit und Verbrauchseffizienz des Fahrzeuges Aufschluss gibt.
Ähnlich wie bei Kühlschränken, Waschmaschinen und anderen elektronischen Geräten macht auch bei Autos die Farbpalette zwischen Rot und Grün deutlich, wie energieeffizient und schonend der Wagen ist. Die Fahrzeuge werden dann entsprechend in Effizienzklassen vom umweltfreundlichen A bis zum klimafeindlichen G eingeteilt. Doch Verbraucherschützer warnen nun vor den Plaketten. Diese seien zwar ein guter Gedanke, doch die Umsetzung würde am Ziel einer Beurteilung der Umweltfreundlichkeit vorbeigehen.
Insbesondere die Grundlage der Bemessung wird kritisiert. Die Effizienzklasse eines Wagens bemisst sich nach dem Verhältnis zwischen dem Gewicht des Fahrzeuges und dem CO2-Ausstoß. Da verwundert es wenig, dass selbst große Geländewagen als energieeffizient und umweltschonend eingestuft werden. Kleine Wagen haben es hingegen aufgrund ihres geringen Gewichtes schwer, eine gute Einstufung zu erreichen. Der Kleinwagen Aygo von Toyota wird zum Beispiel bei einem CO2-Ausstoß von rund 100 Gramm pro Kilometer der Effizienzklasse C zugeordnet, während es der Audi Q7 mit einem deutlich höheren Ausstoß von knapp 300 Gramm pro Kilometer in die bessere Effizienzklasse B schafft. Dies ist nur aufgrund seines höheren Gewichtes möglich.
Verbraucher vermuten daher hinter der Einführung des Öko-Labels die erfolgreiche Lobbyarbeit der Automobilindustrie. Ein Gesetzesentwurf von 2007, der noch strengere Richtlinien vorgesehen hatte, war klanglos von der politischen Bildfläche verschwunden. Die neusten Entwicklungen und die rasche Einführung des Labels kommen daher für viele Experten überraschend. Noch dazu bezweifeln sie, dass dieses neue Label dem Verbraucher wirklich hilft, beim Autokauf die richtige Entscheidung zu treffen. Vielmehr könnten die seltsam anmutenden Einstufungen der Fahrzeuge für Verwirrung sorgen. Eine Klassifizierung, die weitere Faktoren wie Rußpartikelfilter oder die Anzahl der Sitzplätze mit einbezieht, wird von Experten daher dringend empfohlen.
Doch eine Überprüfung des neuen Gesetzes ist erst für in circa drei Jahren angesetzt. Auch wird man erst dann über eine neue Bemessungsmethode diskutieren. Bis dahin können sich die Autohersteller wahrscheinlich über steigenden Verkaufszahlen ihrer nun „umweltfreundlichen“ Großwagen freuen. Trüben könnte die Freude höchstens eine Klage anderer europäischer Länder. Schließlich hatte auch die Europäische Union ein ähnliches Label angedacht. Länder wie beispielsweise Italien, in denen die Autohersteller meist Kleinwagen produzieren und verkaufen, könnten sich durch das deutsche Öko-Label auf dem Markt benachteiligt fühlen und gerichtlich gegen das neue Gesetz vorgehen.
Tags: Autokauf, CO2, Kohlendioxid, Lobbyarbeit, Öko-Label, Umweltfreundlichkeit